Weitere Informationen INTRO - Herstellungsprozess

Nach vielen Gesprächen über den Herstellungsprozess ist es an der Zeit, ein paar Fakten auf den Tisch zu legen.

In der Fahrradbranche ist nicht nur der Herstellungsprozess, sondern auch der Vertriebsweg komplett rationalisiert und nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten optimiert. Auch der Akquiseprozess und die Auftragserteilung sind strukturiert, professionalisiert und dem rationalisierten Produktionsprozess zielführend vorgeordnet.

Ziel ist es, schon vor der Produktion die gesamte Kollektion verkauft zu haben.
Ist das möglich?

Ja, und nicht nur das! Es ist schon Realität!

Ende August jeden Jahres finden weltweit Fahrradmessen statt. In Deutschland in Friedrichshafen die Fahrradmesse Eurobike. Gezeigt werden neben technischen Neuerungen die Komplett-Fahrradmodelle für das nächste Jahr. Fahrradhändler legen auf diesen Fahrradmessen verbindlich fest, in welchen Stückzahlen sie die neuen Modelle bestellen. Das Geniale daran ist, dass es außer den auf der Messe gezeigten Modellen noch keine weiteren gibt. D.h. der Hersteller geht erst in Produktion, wenn ihm verbindliche Stückzahlen vorliegen.
Diese bewundernswert effiziente Vorgehensweise ist allerdings nur sehr großen Herstellern möglich. Die Herstellung erfolgt überwiegend in Asien.

Bis zu diesem Zeitpunkt ist der Kunde noch gar nicht aufgetreten.

Das Fahrrad, das der Kunde kaufen soll, wurde vom Händler im Jahr davor auf der Eurobike bestellt. Wenn wir bedenken, dass dieses Fahrrad bis zur Präsentation der Messe-Fahrräder erst in einem Prozess konzipiert, designed und getestet wurde, dann ist die Idee für das Fahrrad, das der Kunde als das „Neueste vom Neuesten" kauft, mindestens schon zwei Jahre alt.

Wie machen es Hersteller dann, dass ihre Produkte einen vermeintlich neuen Trend setzen und die Sehnsucht des Kunden nach Individualität, Einzigartigkeit, Authentizität und Glaubwürdigkeit erfüllen?

Nun, der vorgenannte Herstellungsprozess bezieht sich auf alle Produkte, die in großen Stückzahlen hergestellt werden und einem großen Käufergeschmack entsprechen. Die Begeisterung und die Verheißung, die ein Kauf eines Fahrrades aus rationalisierter, industrialisierter Produktion verspricht, werden durch Marketing erreicht. Der Herstellungsprozess selbst wird dabei gerne romantisiert. Auf der Alm steht eine lila Kuh. Der Kräuterquark wird noch von Hand gerührt.

Für diesen Herstellungsprozess gilt überspitzt gesagt.
Hier war zuerst das Fahrrad. Erst danach kommt der Kunde mit seinen Wünschen und seinem Anforderungsprofil.

Wenn einem Kunden solch ein vorkonfektioniertes Fahrrad passt, gefällt und es seinem Anforderungsprofil entspricht, ist gegen den Kauf nichts einzuwenden.

Aber lassen Sie sich dabei besser beraten.

Auch wir bei Bicibene führen Fahrräder, die diesen Kriterien entsprechen.
Und das ist auch gut so. Denn auch wir können nur das verkaufen, was der Kunde verlangt.

Was aber, wenn ein Kunde

  • ein Fahrrad in seiner Wunschfarbe innerhalb von 3 bis 6 Wochen haben möchte?
  • die Anbauteile und Komponenten selbst wählen möchte?
  • diese aufgebaut auf einem klassisch gemufften Stahlrahmen haben möchte?

Und das Ganze möglichst zum selben Preis wie ein vorkonfektioniertes Modell aus asiatischer Produktion?

Zum Glück gibt es nicht nur den oben beschriebenen Produktionsprozess, sondern auch andere Herstellungswege.

Es gibt Fahrradhersteller, die in Deutschland oder in Ländern der Europäischen Gemeinschaft Fahrräder produzieren. Diese Firmen kaufen ihre Waren/Bauteile (Rahmen (roh), Komponenten und Zubehör) zu OEM-Preisen* ebenfalls und überwiegend in Asien. Sie verfügen u.a. über eine Lackiererei und einen Montagebetrieb.
Vorteil: mehr Flexibilität, ein direkter Einfluss auf den Produktionsprozess und für den Kunden ein nach wie vor attraktives Preis-Leistungsverhältnis.

Um z.B. steigende Rohstoffpreise auszugleichen haben sich die geforderten Stückzahlen in Asien erhöht. Stückzahlendruck hat dazu geführt, dass sich einige der in Europa produzierenden Hersteller geöffnet haben und kleineren Anbietern wie uns, Bicibene, anbieten Bausätze, vormontierte und endmontierte Fahrräder individuell herzustellen. Der Hersteller erreicht damit die geforderten Stückzahlen und wir haben die Möglichkeit ein individuelles Fahrrad zu einem konkurrenzfähigen Preis anzubieten.

„Schweißen oder löten und lackieren Sie den Rahmen, bauen Sie das Fahrrad zusammen?" werden wir häufig gefragt.

Schweißen, Löten und Lackieren machen wir nicht selbst. Wir suchen uns das raus, was wir aus Erfahrung für am besten halten.

Den Prototyp eines neuen Modells entwickeln und bauen wir immer selbst.

Für Einzelanfertigungen ohne Möglichkeit , den OEM-Markt zu nutzen, erfolgt der Aufbau bei uns.

Einen Individualaufbau, für den wir die gewünschten Bauteile, Rahmen, Gabel, Lackierung, die gewählte Baugruppe, Lichtanlage, Sattel usw. im OEM-Bereich realisieren können, bestellen wir als Komplettrad. Für uns spricht nichts dagegen, den Aufbau von einem befreundeten Montagebetrieb durchführen zu lassen. Nur so können wir einen attraktiven Preis offerieren und haben genügend Zeit für Sie im Beratungsgespräch und bei der Übergabe.

Ein moderner Herstellungsprozess, als dessen Ergebnis ein preislich attraktives Fahrrad stehen soll, fordert diese Variante. Die Aufstellung eines wirtschaftlichen Herstellungsweges ist nur möglich, wenn wir die Gesetze einer modernen Produktion verstehen und bedienen.

*OEM-Markt:
Abkürzung für englisch original equipment manufacturer = Hersteller von Originalgeräten/Teilen
Definition gemäß Duden

In der Fahrradbranche heißt das:
Es werden von Fahrradherstellern bei Teileherstellern (z.B. Shimano, SRAM, Campagnolo, Schwalbe, Kenda,...) Komponenten als OEM-Ware in großen Stückzahlen für die Fahrradproduktion eingekauft.
Für diese OEM-Ware ist vertraglich vereinbart, dass sie nur an Kompletträdern verbaut und nicht direkt an Endkunden im Endkundenmarkt**, d.h. Aftermarket, verkauft werden darf.
OEM-Ware wird den großen Stückzahlen und entsprechend in schmucklosen, großen Verpackungseinheiten konfektioniert. Im Gegensatz zu den Produktverpackungen, in denen das Produkt im Endkundenbereich verkauft wird, fehlen z.B. Gebrauchsanweisungen, Garantiekarten und evtl. erforderliche Zubehörartikel, wie bsp. Adapter, Montage-Werkzeuge oder bei Federgabeln die Federgabelpumpe.
Vorteil der OEM-Ware: Sie ist deutlich günstiger als Ware, die für den Verkauf in Produktverpackungen im Endkundenbereich vorgesehen ist.

**Endkundenmarkt, Aftermarket ist der Markt, der im Bereich der Investitionsgüter (z.B. Maschinen) oder langlebigen Konsumgüter (z.B. Automobile) dadurch entsteht, dass diese Güter gewartet/repariert werden müssen oder Ersatzteile bzw. Komplementärteile für das Gut verkauft werden. Es handelt sich also um den Verkauf von Service-Dienstleistungen und/oder Teilen, die in unmittelbarem Bezug zu dem vorher erfolgten Verkauf des Guts stehen.
Definition gemäß Wikipedia